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Lebensraum Streuobstwiese

Streuobst! Ja was heißt das eigentlich? Was können wir uns unter dem Begriff Streuobst vorstellen?

Zunächst wollen wir uns bewusst werden, dass es für den Begriff Streuobst keine einheitliche Definition gibt. Vielmehr ist es ein komplexer Begriff der eine ganze Bandbreite von Merkmalen vereint. Unterschiedliche Definitionen betonen dabei jeweils bestimmte Aspekte. Zweierlei ist jedoch aus dem Begriff Streuobst schon zu erkennen. Das Wort besteht aus Obst und Streuen. Bei Obst ist eigentlich klar, hier handelt es sich um Früchte die in Kultur angebaut werden, um sie zu ernten.

Was aber hat es mit „Streuen" auf sich? Treiben hier Früchte, wie zum Beispiel Äpfel, Birnen, Zwetschgen und andere Obstsorten, in der Reifezeit ungeordnetes Spiel? Wohl eher nicht. Vielmehr soll uns der Begriff verdeutlichen, dass die Bäume in zentrumsfernen Ortslagen unregelmäßig auf einer Wiese verteilt sind. Die Bäume eines Streuobstbestandes wurden und werden so angebaut, wie es das Land hergibt und wo eben Platz ist und ihrem Kronenumfang angepasst.

Dabei handelt es sich im Gegensatz zur intensiven Landwirtschaft um höher gewachsene große Obstbäume, Element der Kulturlandschaft, sogenannte Hochstämme, unter denen weitere Nutzungen möglich werden. So können Obst und Gemüse wie zum Beispiel Kartoffeln oder Erdbeeren angebaut werden. In unserem heutigen Verständnis und auch in der Mehrheit der traditionellen Bewirtschaftungsweisen dürfte wohl eher die Beweidung mit Rindern, Pferden, Schafen und anderen Tieren typisch sein.

Was aber bewegt uns dazu, diesen Lebensraum hier so besonders hervor zu heben? Was macht die Streuobstwiese so wertvoll?

Man stelle sich eine Fläche im ländlichen Raum vor, ein Stück Land, welches schon seit Jahrhunderten von der ganzen Gemeinde bewirtschaftet wird. Diese Räume nennen sich Allmende. Meist sind es Landstücke, die für den Anbau von Gemüse weniger wertvoll sind, meist in Randlagen von Siedlungen, aber auch entlang von Wegen und Straßen. Oder aber sie sind im Laufe der Geschichte auf Befehl eines Grafen, Herzogs oder Königs dem Allgemeinwohl zur Verfügung gestellt worden. Solche Edikte und Gesetze wie das Ehestandsbaumgesetz sind vielfach aus der Vergangenheit überliefert.

Auf diesen Flächen wurden im Laufe der Jahre und Jahrzehnte Obstbäume gepflanzt, wie sie zur Verfügung standen. Daraus konnte sich oftmals eine sehr unterschiedliche Altersstruktur der Obstgehölze entwickeln. Zusätzlich trieben die Bauern hier ihr Vieh zum Beweiden der Flächen auf. Es ergibt sich auf der nun schon als Streuobstwiese zu bezeichneten Fläche eine Vielzahl von Obstgehölzen unterschiedlichen Alters mit mehr oder weniger stark entwickelten Kronen.

Stellen wir uns nun einen warmen Sommertag im Sommer vor, so wird schnell klar, dass ein Picknick wohl eher unter einem der älteren Größeren Bäume, in seinem Schatten, stattfinden wird. Derjenige, der sich aus dem Schatten des weit ausladenden Kirschbaumes hervorwagt, indem die Stare ihren unbändigen Hunger stillen, wird ein ganz anders Bild an Pflanzen und Insekten vorfinden als im schattigen Bereich. Der Wechsel von beschatteten und besonnten Bereichen oder auch Kleinstbiotopen ermöglicht es in der Tierwelt einer Vielzahl von Individuen unterschiedliche, je nach Art bevorzugte Lebensräume für sich zu beanspruchen.

Die Biodiversität an Lebensräumen und Lebewesen, welche wir auf Streuobstbeständen vorfinden, kann zu unzähligen Nahrungsketten führen. Diese erstrecken sich über Pflanzen und deren an ihnen lebenden Insekten (wie Heuschrecken, Falter und Hummeln) bis hin zu zahlreichen Insekten fressende Vögel (wie Grünspecht, Kleiber und Meisen) sowie Insekten und Vögel jagende Kleinsäugetiere (wie Mäuse und Fledermäuse). Nicht zu vergessen sind Pflanzenfresser wie Hasen und Rehe, die in Obstwiesen oft beobachten werden können.

Auf den alten Bäumen siedeln sich oft spezielle Moose, Flechten und Pilze an, welche es in der heutigen Industrielandwirtschaft gar nicht mehr schaffen, ihren Lebensrhythmus zu verwirklichen. Fledermäuse finden in der abblätternden Rinde der Bäume Unterschlupf und hin und wieder kann man heimliche Siebenschläfer vermuten, welche die Baumhöhlen der älteren Bäume als Quartier benutzen.

André Beutler- Koch

 

Streuobstnetzwerk MV • Garten der Metropolen

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